Freidrehende Antworten auf eine kleine Anfrage zur A100 im Abgeordnetenhaus

Die Emissionen der Autobahn A100 können durch geeignete Schutzmaßnahmen bewältigt werden
Bild: Tom Feldmann / Zitatquelle: R. Lüscher i.V. der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, siehe unter 1)

Manchmal träume ich, dass mein Lieblingsverein Union Berlin so in zehn Jahren in der Champions League auswärts in Barcelona ein 1:10 erreicht. (Bedeutet Auswärtssieg – für alle, die im Fußball nicht so bewandert sind.)

Man könnte jetzt einwenden, dass das nicht allzu realistisch ist! – Okay, aber bitte schön immer noch realistischer als das 1:10, welches der Berliner Senat für den gleichen Zeitraum vorhersagt. Im Rahmen einer schriftlichen Anfrage von Frau Lompscher (Linke) an das Abgeordnetenhaus im Januar 2016 antwortete dieser nämlich, dass durch den Weiterbau der A100 bis nach Lichtenberg das Verhältnis der mehr belasteten zu den mehr entlasteten Anwohnern 1:10 betragen würde. 1)

1:10 – hallo, geht’s vielleicht ’ne Nummer kleiner? Aber ein bisschen kann ich es ja nachvollziehen. Da redet sich die Betonfraktion im Senat bei ihrem Lieblingsspielzeug A100 – ähnlich meiner Neigung, wenn es um meinen Lieblingsverein geht – alles schön, und die Realität wird halt ein wenig verzerrt wahrgenommen. Herrlich in diesem Zusammenhang auch der Satz im Antwortschreiben: ,,Die Emissionen der Autobahn können durch geeignete Schutzmaßnahmen bewältigt werden.“ Schon beeindruckend, wie der Senat für komplizierte Probleme ganz einfache Antworten findet.

Argumente, die gegen die eigene Ansicht sprechen, werden dagegen konsequent ignoriert. So zum Beispiel folgende:

Statt eines 1:10 sollte man deshalb eher auf ein 1:1 und wahrscheinlicher noch auf ein 2:1 tippen.

Und der Blick durch die rosarote Brille geht weiter. Frau Lompscher möchte noch wissen, ob denn schon absehbar ist, dass Gebäude abgerissen werden müssten und wenn ja welche. Antwort: Steht noch nichts fest – äh – kann man noch nichts sagen!

Hier kann geholfen werden. Es müssten abgerissen werden:

  • das ehemalige Druckhaus des Neuen Deutschlands an der Elsenbrücke – derzeit Klub “Magdalena“ (Alt Stralau 1-2)
  • mehrere Gebäude im Verlauf des Markgrafendamms – u.a. das Haus, in dem sich derzeit der Klub “Salon – Zur wilden Renate“ befindet (Alt Stralau 70)

Weiter müssten höchstwahrscheinlich abgerissen werden:

  • mehrere Häuser in der Gürtelstraße, da beim Schwenk der A100 Richtung S-Bahn-Ring kein Haus untertunnelt werden darf
  • einige Gebäude im Verlauf der Storkower Straße, da diese vierspurig ausgebaut werden müsste – u.a. einige Gebäude der Carl-von-Linné-Schule (Körperbehindertenschule) und das Gebäude Max-Brunow-Straße 4

Wahrscheinlich ist diese Auflistung noch nicht vollständig.

Meine Empfehlung für die Entscheidungsträger im Senat. Geht zum Fußball, sucht euch ’ne Mannschaft, für die ihr schwärmen und für die ihr die Faktenlage völlig verzerrt interpretieren könnt. Der Kater kommt dann zwar meist nach dem nächsten Spiel, aber wenigsten werden dadurch keine Stadtgebiete verschandelt.

 

1) http://pardok.parlament-berlin.de/starweb/adis/citat/VT/17/SchrAnfr/s17-17745.pdf

2) http://www.a100stoppen.de/stadtentwicklungssenator-geisel-zur-a100-beim-berliner-sozialgipfel-am-9-9-2015/

3) http://www.verkehrswissenschaftler.de/pdfs/Pfleiderer%20-%20A100.pdf

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