Zum internationalen „Tag gegen Lärm“ am 29. April 2026 offenbaren die aktuellen Lärmdaten das ganze Ausmaß der Belastung durch die Berliner Stadtautobahnen und belegen massive Gesundheitsgefahren durch die A100 und A115. Der durch die Verlängerung der A100 verursachte neue Lärm-Hotspot in Treptow fehlt noch in der Statistik. Wir fordern: Keine weiteren Autobahn–Betonschneisen durch Wohngebiete, um die Gesundheit von tausenden Menschen in Friedrichshain und Lichtenberg zu retten.
Die Bilanz des Autobahn-Lärms: Berlin unter Dauerdruck
Ein Blick in den aktuellen Umweltatlas zeigt: Die A100 und die A115 sind die unangefochtenen Spitzenreiter im Berliner Krach-Ranking. Die strategische Lärmkartierung verdeutlicht, dass Lärm in Berlin kein individuelles Schicksal ist, sondern die direkte Folge einer verfehlten Verkehrspolitik, die das Auto über die Gesundheit der Anwohner stellt.
1. Die 24-Stunden-Belastung (L DEN)
Die erste Karte zeigt den gewichteten Tag-Abend-Nacht-Index. Hier wird deutlich, dass der Stadtring die angrenzenden Kieze mit einem permanenten Schalldruck überzieht.

An der A100 werden hier Werte von weit über 75 dB(A) erreicht. Zum Vergleich: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, den Lärmpegel durch Straßenverkehr auf unter 53 dB(A) zu begrenzen, um gesundheitliche Beeinträchtigungen zu vermeiden. Die Realität an der Autobahn liegt also um ein Vielfaches über der gesundheitlich vertretbaren Grenze.
2. Der geraubte Schlaf (L Night)
Noch dramatischer wird die Situation beim Blick auf die Nachtkarte. Während die Stadt eigentlich zur Ruhe kommen sollte, bleibt die A100 ein „glühendes“ Band der Schlaflosigkeit.

In der Nacht sind Pegel von über 50 dB(A) bereits kritisch für die Gesundheit. Die Karte zeigt jedoch, dass weite Teile der Wohnbebauung entlang der Autobahntrasse Belastungen von 60 bis 70 dB(A) ausgesetzt sind – und das jede Nacht.
Der blinde Fleck: Das Lärm-Nadelöhr Treptow
Es ist wichtig zu betonen: Die offiziellen Karten stammen aus dem Jahr 2022. Der massive Lärmzuwachs durch die Eröffnung der A100 bis nach Treptow ist in diesen Daten noch nicht sichtbar.
Seitdem sich der Autoverkehr vom neuen Ende der Stadtautobahn A100 in Treptow direkt in den Bereich Elsenstraße und Elsenbrücke ergießt, hat sich die Situation dort dramatisch verschlechtert. Das Straßennetz am Ende der Autobahn steht an der Belastungsgrenze und leitet den Lärm ungefiltert in die angrenzenden Wohngebiete. Wer hier lebt, erfährt heute eine Belastung, die weit über das hinausgeht, was die offiziellen 2022er-Karten vermuten lassen.
Lärm ist ein Angriff auf Körper und Seele der Menschen
Die Auswirkungen auf die Menschen sind verheerend. Wer permanentem Autobahnlärm ausgesetzt ist, leidet nicht nur unter Stress. Die medizinische Forschung ist eindeutig:
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Herz-Kreislauf: Das Risiko für Bluthochdruck und Herzinfarkte steigt massiv an, da der Körper bei Lärm Stresshormone wie Cortisol ausschüttet – auch im Schlaf.
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Psychische Folgen: Dauerlärm führt zu Konzentrationsstörungen, erhöhter Reizbarkeit und begünstigt Depressionen.
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Kinder im Fokus: Studien zeigen, dass Kinder in lauten Wohngebieten größere Schwierigkeiten beim Lernen und bei der Sprachentwicklung haben.
Friedrichshain und Lichtenberg: Die nächste Stufe der Lärmhölle
Sollte die A100 wie geplant bis nach Friedrichshain und Lichtenberg weitergebaut werden, exportiert der Senat dieses Gesundheitsrisiko in einige der am dichtesten besiedelten Gebiete der Stadt. Tausende weitere Menschen würden ihre Nachtruhe und Lebensqualität verlieren. Ein Weiterbau der A100 ist heute, im Jahr 2026, angesichts der erwiesenen Gesundheitsgefahren durch Lärm, schlichtweg unverantwortlich.
Hintergrund: Wie die Karten entstehen
Die „Strategischen Lärmkarten 2022“ wurden nach dem EU-weit einheitlichen Rechenmodell CNOSSOS-EU erstellt. Dieses Modell bildet die physikalische Lärmentstehung (Reifen-Fahrbahn-Geräusche, Motorlast etc.) detaillierter ab als frühere Verfahren. Die Karten dienen als gesetzliche Grundlage für den Lärmaktionsplan Berlin. Der L DEN (Tag-Abend-Nacht-Lärmindex) gewichtet Abendstunden (+5 dB) und Nachtstunden (+10 dB) stärker, um die höhere Störwirkung in diesen Zeiten abzubilden. Der L N Nachtindex betrachtet ausschließlich den Zeitraum von 22:00 bis 06:00 Uhr.
Quellenangabe:
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Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt (2022): Umweltatlas Berlin, Strategische Lärmkarten 2022.
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Strategische Lärmkarte 07.05.1 L DEN (Tag-Abend-Nacht-Lärmindex) Straßenverkehr
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Strategische Lärmkarte 07.05.2 L N (Nacht-Lärmindex 22 – 6 Uhr) Straßenverkehr













