WĂ€hrend die politische Debatte ĂŒber die MobilitĂ€t der Zukunft feststeckt, hat ein 14-jĂ€hriger SchĂŒler aus Berlin-Mitte ein journalistisch fundiertes Ausrufezeichen gesetzt. In Eigenregie hat er eine umfassende Dokumentation recherchiert, gefilmt und produziert, die den geplanten 17. Bauabschnitt der A100 detailliert analysiert. Er stellt darin die entscheidende Frage: Investieren wir Milliarden in eine Infrastruktur von gestern oder in Projekte wie die S21 und S6?
Von der Recherche bis zum fertigen Film: Ein 14-JĂ€hriger zeigt, warum die A100 ein Irrweg ist
Statt auf Antworten der Politik zu warten, liefert ein Berliner SchĂŒler die Fakten selbst. Seine Doku „Stadtautobahn vs. Stadtbahn“ kontrastiert die enormen Kosten von ĂŒber 1,1 Milliarden Euro fĂŒr wenige Kilometer Autobahn mit den Vorteilen des Schienenausbaus. Ob Kreuzberger Tunnel (S6) oder City-S-Bahn (S21): Der Film beweist, dass die besseren Konzepte lĂ€ngst auf dem Tisch liegen â sie mĂŒssen nur finanziert werden.
Das Duell: A100 vs. S-Bahn â Die harten Fakten
Hier die wichtigsten Hintergrund-Infos, die der Film aufgreift und die zeigen, warum der Widerstand gegen den 17. Bauabschnitt so massiv ist.
Das „Milliardengrab“ an der Storkower StraĂe
Der 17. Bauabschnitt soll vom Treptower Park bis zur Storkower StraĂe fĂŒhren. Mit geschĂ€tzten Kosten von 246.000 Euro pro Meter wĂ€re dies die teuerste Autobahn Deutschlands.
-
Kosten: Allein fĂŒr diesen 4,1 km langen Abschnitt sind 1,1 Milliarden Euro veranschlagt â Tendenz steigend.
-
Verlust von Kulturraum: LegendÀre Clubs wie das Else, Ost und Renate stehen vor dem Aus, da sie direkt auf der Trasse oder unmittelbar daneben liegen.
-
Der „Sackgassen-Effekt“: Die Autobahn endet an der Storkower StraĂe abrupt. Kritiker befĂŒrchten, dass der Verkehr dort einfach in die Wohngebiete „ausgekippt“ wird.
Die Alternativen: S21 und S6
Der Film stellt zwei Projekte gegenĂŒber, die deutlich mehr Menschen befördern könnten:
-
Die S21: Eine neue Nord-SĂŒd-Verbindung, die den Hauptbahnhof besser anbindet. Die Kosten fĂŒr die gesamte Strecke sind mit ca. 900 Millionen Euro deutlich niedriger als die des Autobahnabschnitts.
-
Die S6 (Kreuzberger Tunnel): Ein Vorschlag des Fahrgastverbands IGEB, der eine S-Bahn-Linie von Gartenfeld bis Schönefeld quer durch die Innenstadt fĂŒhren wĂŒrde.
VollstĂ€ndiges Transkript des Dokumentarfilms „Stadtautobahn vs. Stadtbahn“
Einleitung: Thema und Ăberblick
In diesem Video geht es vor allem um den Bau vom 16. und 17. Bauabschnitt der A100 in Berlin und die Vor- und Nachteile von diesem. AuĂerdem spreche ich darĂŒber, ob es sinnvoll ist, das Geld in heutigen Zeiten, in diesem Fall in den Weiterbau der A100 zu investieren, oder ob das Geld lieber fĂŒr den Bau des Kreuzberger Tunnels als S-Bahn-Linie 6 oder der S21 ausgegeben werden soll.
Aktueller Stand der A100, S6 und S21
Fangen wir erstmal mit dem aktuellen Stand der A 100, der S 6 sowie der S 21 an. Vor wenigen Monaten wurde der 16. Bauabschnitt der Stadtautobahn vom Dreieck Neukölln bis zum Treptower Park eröffnet. Die Eröffnung erfolgte ohne groĂe Feier, da die Politik Sorge vor einer zu groĂen Anzahl an Gegendemonstranten hatte und dass diese gewalttĂ€tig werden könnten. Es gibt zahlreiche Gegner der Autobahn, da in Zeiten des Klimawandels nicht mehr neue Autoinfrastruktur gebaut werden sollte. Ebenso mussten und mĂŒssen fĂŒr den 16. bzw. 17. Bauabschnitt zahlreiche Wohnungen und Clubs weichen. Anwohner befĂŒrchten LĂ€rmbelĂ€stigung und mehr Verkehr. Da die Autobahn derzeit am Treptower Park endet und die dort anschlieĂende ElsenbrĂŒcke ĂŒber die Spree sich in einem einspurigen Ersatzneubau befindet, ist dort das Verkehrschaos vorprogrammiert. Aufgrund fehlender Gelder und gesunkener PrioritĂ€t wird der Baustart des 17. Bauabschnittes wohl nicht mehr in diesem Jahrzehnt stattfinden. Die Kosten fĂŒr den Abschnitt vom Treptower Park bis zur Storkower StraĂe belaufen sich auf ca. 1,1 Milliarden Euro. Doch es werden vermutlich deutlich mehr, so das AktionsbĂŒndnis A100 stoppen.
Bei der S21 wird im MĂ€rz der erste Bauabschnitt von Wedding bzw. Westhafen zum Hauptbahnhof eröffnet. In den kommenden Jahren soll dann der Baustart fĂŒr den Tunnel zum Potsdamer Platz sein. Dieser soll in der zweiten HĂ€lfte der 2030er Jahre eröffnet werden. FĂŒr den dritten Bauabschnitt vom Potsdamer Platz ĂŒber eine Zwischenstation am Gleisdreieck mit Umstieg zu U1, U2 und U3 weiter zur YorckstraĂe auf der S1 und S2. Mit anschlieĂendem Weiterbau ĂŒber die zu reaktivierende Ringbahnkurve zum SĂŒdkreuz lĂ€uft noch die Planung. Das vorlĂ€ufig als S6 bezeichnete Projekt wird vom Berliner Fahrgastverband IGEB gefordert. Dabei handelt es sich um eine S-Bahn-Linie, die quer durch Berlin von Gartenfeld bis Schönefeld verlaufen soll. Vorm Bahnhof Jungfernheide bis Gartenfeld soll die Siemensbahn reaktiviert werden. Von Potsdamer Platz bis zum Einfahren auf die Görlitzer Bahn am S-Bahnhof PlĂ€nterwald wĂŒrde die S6 in einem neu gebauten Tunnel mit neun Stationen an der KochstraĂe U6, Moritzplatz U8, Görlitzer Bahnhof U1 und U3 Glogauer StraĂe bzw. Görlitzer Park und KiefholzstraĂe S41 und S42 fahren. Die Planung fĂŒr die S6 ist jedoch noch nicht sehr konkret und ist eher langfristig gedacht. Die Umsetzung wird fĂŒr die 2060er und 2070er Jahre erhofft.
Geschichte und Planung der A100
Doch zurĂŒck zu A100. Um zu verstehen, warum diese Autobahn ĂŒberhaupt gebaut werden soll, mĂŒssen wir zurĂŒck ins Jahr 1955. Damals beschloss West-Berlin einen SchnellstraĂenring parallel zur Ringbahn zu bauen und nach erhoffter Wiedervereinigung zu vollenden. Ab 1962 wurde die Strecke dann als Autobahn gehandhabt. In den darauffolgenden Jahren wurde nach und nach der komplette Halbring eröffnet. Im vergangenen Jahr wurde dann der 16. Bauabschnitt vom Dreieck Neukölln bis zu ElsenbrĂŒcke am Treptower Park eröffnet. Dies ist nach den aktuellen Planungen der vorletzte Bauabschnitt, da nur noch bis zur Storkower StraĂe weitergebaut werden soll. Ab dort wĂ€re ein zu groĂer Eingriff ins Stadtbild unvermeidbar gewesen. Die damaligen Planungen sahen Berlin als autofreundliche Stadt vor, weshalb 1967 auch die letzte StraĂenbahn durch West-Berlin fuhr. Diese musste dem Autoverkehr weichen. Es gab den Plan, zahlreiche Autobahnen durch Berlin zu bauen, damit Autofahrer schneller von A nach B kommen. Dazu gehörte der Bau einer Nord-, einer SĂŒd-, einer West- sowie einer Osttangente. Ebenso stammt die einzige verwirklichte Planung nĂ€mlich der Stadtring aus dieser Zeit. Es gibt in Berlin zahlreiche Bauvorleistungen fĂŒr die eben genannten Tangenten. Einige dieser sind bis heute im Stadtbild zu sehen. Dazu gehören die Gerhard-GĂŒttler-BrĂŒcke am Sachsendamm sowie die groĂe AutobahnbrĂŒcke am Breitenbachplatz. Jedoch ist die BrĂŒcke am Breitenbachplatz in einem so schlechten Zustand, dass diese abgerissen werden soll.
Das AktionsbĂŒndnis A100 stoppen hat mir in einem Interview nochmal genauer erklĂ€rt, wie der 16. und 17. Bauabschnitt der A100 geplant wurde und warum dieser jetzt immer noch gebaut werden soll. 1992 wurde der 16. Bauabschnitt in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen. 1994 in den FlĂ€chennutzungsplan von Berlin. 1996 legte das Bundesverkehrsministerium die LinienfĂŒhrung fest. Und 2003 wurde der Bau als vordringlicher Bedarf im Bundesverkehrswegeplan bestĂ€tigt. Und dieses jahrzehntelange Festlegen fĂŒhrte dazu, dass trotz der verĂ€nderten MobilitĂ€tsziele weiter an dem ĂŒberalterten Projekt festgehalten wird.
Details zum 17. Bauabschnitt
Der 17. Bauabschnitt der A100 soll vom Treptower Park ĂŒber eine AutobahnbrĂŒcke ĂŒber die Spree verlaufen. Ab dort verlĂ€uft die Trasse parallel zur Ringbahn, bis sie kurz vor dem Bahnhof Ostkreuz in einen zweigeschossigen Tunnel eintaucht. Dieser verlĂ€uft dann unter der Neuen BahnhofstraĂe, bis die Autobahn im Gleisdreieck hinter dem Ostkreuz wieder zum Vorschein kommt. Ab dort geht es ĂŒberirdisch bis zur Storkower StraĂe weiter. ZusĂ€tzliche Aus- und Auffahrten wird es am Ostkreuz sowie an der Frankfurter Allee geben. An der Storkower StraĂe ist jedoch endgĂŒltig Schluss. Hier endet die Autobahn A100 und kann nur noch durch BundesstraĂen mit dem anderen Ende an der SeestraĂe erreicht werden. Den Rest noch zu bauen wĂŒrde viel Geld kosten und es mĂŒssten eine Menge Wohnungen weichen.
Aber auch beim 17. Bauabschnitt fallen Clubs wie der Club Else, der Club Ost, der Club Renate und viele weitere weg, da diese auf der Trasse oder unmittelbar daneben liegen.
Meinungen des AktionsbĂŒndnisses und der Parteien
Zum 17. Bauabschnitt der A100 hat das AktionsbĂŒndnis A100 stoppen folgende Meinung. Wir lehnen den 17. Bauabschnitt der A100 ab, weil Wohnraum zerstört, LebensqualitĂ€t verschlechtert, Verkehrsprobleme verschĂ€rft und enorme finanzielle Ressourcen gebunden werden, die dringend fĂŒr soziale, ökologische und nachhaltigere Lösungen gebraucht werden. Die Idee, durch StraĂenbau Verkehrsprobleme zu lösen, halten wir fĂŒr ĂŒberholt. Stattdessen setzen wir auf öffentlichen Nahverkehr, sichere Wege fĂŒr Radfahrer, FuĂgĂ€nger und eine Stadtentwicklung, die dem Gemeinwohl dient.
Auch bei den Parteien gibt es verschiedene Meinungen. Die aktuellen Regierungsparteien schreiben mir dazu Folgendes.
CDU: Der Weiterbau der A100 soll Wohngebiete vom Verkehr entlasten und ist Teil eines langfristig geplanten klimafreundlichen Verkehrskonzeptes mit GrĂŒnflĂ€chen, erneuerbaren Energien, Ladestruktur, LĂ€rmschutz und Radschnellwegen. Grundlage ist ein seit 2010 rechtskrĂ€ftiger Planfeststellungsbeschluss, der den FlĂ€chenbedarf festlegt. Die Betroffenheit von Kunst- und Kulturbetrieben war daher absehbar, da viele Standorte erst spĂ€ter im Rahmen befristeter Zwischennutzungen entstanden sind.
SPD: Wir halten den 17. Bauabschnitt der A100 fĂŒr unnötig und schlagen vor, die Mittel in die Instandhaltung der bestehenden Infrastruktur und den Ausbau des ĂPNVs zu investieren. Wenn fĂŒr ein Verkehrsprojekt Wohn- und KulturrĂ€ume weichen mĂŒssen, sollte das ĂŒberdacht werden. Statt den 17. Bauabschnitt zu bauen, sollte der 16. Bauabschnitt abgeschlossen und ein Entlastungskonzept fĂŒr den Treptower Park entwickelt werden. StraĂenbau fĂŒhrt oft nur zu Verkehrsverlagerungen. Daher setzen wir auf nachhaltige Lösungen durch den ĂPNV.
Auch die GrĂŒnen haben sich geĂ€uĂert. Wir als BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen lehnen den Weiterbau der A100 entschieden ab, da die Planungen ĂŒberholt, verkehrlich nicht notwendig und nicht mit nachhaltiger klimafreundlicher MobilitĂ€t vereinbar sind. Der 17. Bauabschnitt wĂ€re technisch aufwendig, extrem teuer und gefĂ€hrdet Kulturstandorte sowie Wohnraum. Stattdessen setzt die Partei auf eine MobilitĂ€tsgarantie im ĂPNV, sowie sichere Rad- und FuĂwege, da viele Berliner kein Auto besitzen. Studien und aktuelle Erfahrungen am 16. Bauabschnitt zeigen zudem, dass mehr StraĂen Verkehr, Staus, UnfĂ€lle und Belastung fĂŒr Anwohner verursachen.
Kontroverse um Autobahnen im 21. Jahrhundert
Es gibt also viel Streit um den Bau von Autobahnen im 21. Jahrhundert. Auch wenn es eigentlich das Ziel ist, dass Deutschland 2045 klimaneutral ist, hat dieses Land eine sehr starke Autolobby, welche nicht leicht klein zu kriegen ist. Doch genug zum Auto. Nun geht es um zwei Ă€hnliche GroĂprojekte, die jedoch zu einer autofreien Stadt beitragen.
Alternative Projekte: S21 und S6 im Detail
Es geht um die S21 sowie die S6, welche in den kommenden Jahren gebaut werden sollen bzw. eventuell gebaut werden. Diese Projekte mĂŒssen aber auch ordentlich Kritik einstecken und verzögern sich seit Jahren. So sollte der erste Bauabschnitt der S21 ursprĂŒnglich zur Eröffnung des Hauptbahnhofs 2006 eröffnen. Dies war von vornherein jedoch unrealistisch und es wurde 2017 als geplantes Jahr der Inbetriebnahme datiert. Als 2009 der Bau begann, wurden gravierende Fehler an den Bauvorleistungen fĂŒr die unterirdische Station am Hauptbahnhof entdeckt. Es wurde beschlossen, einen Interimsbahnhof unter der Minna-Cauer-StraĂe zu errichten, welcher nach Fertigstellung des eigentlichen Bahnhofs dann wieder abgerissen werden wĂŒrde. Aus 2017 wurde durch diese und jene Verzögerung dann 2024, dann 2025 und nun ist das Projekt nahezu fertig. Und am 28. MĂ€rz 2026 soll dann endlich die 3,9 km lange Trasse von Gesundbrunnen bis zum Hauptbahnhof als S15 ihren Betrieb aufnehmen, wenn auch vorerst nur mit PendelzĂŒgen im 10-Minuten-Takt. Doch ganz fertig wird der erste Bauabschnitt noch lange nicht sein, da aufgrund von verschiedenen Faktoren der S-Bahnhof Perleberger BrĂŒcke bis auf weiteres zurĂŒckgestellt wurde.
Die Kurve vom Hauptbahnhof zum S-Bahnhof Westhafen wurde zwar bereits gebaut, hier werden die ersten ZĂŒge aber erst 2029 mit der Inbetriebnahme der reaktivierten Siemensbahn fahren. Dies ist dann auch der erste Teilabschnitt der möglichen S-Bahn-Linie 6. Die weitere Planung der S21 ist schon sehr weit vorangeschritten und soll 2036 oder 2037 ihren vollstĂ€ndigen Betrieb aufnehmen. Das wĂ€re genau 100 Jahre nach dem ersten Nord-SĂŒd-S-Bahn-Tunnel in Berlin. In den kommenden Jahren soll dann endlich mit den Arbeiten am zweiten Bauabschnitt begonnen werden. Dieser verlĂ€uft vom Hauptbahnhof bis zum Potsdamer Platz und soll bis 2036 in Betrieb gehen. Der Tunnel wird 1,2 Kilometer lang sein und den Reichstag in zwei Röhren umfahren. Kurz nach dem Brandenburger Tor wird der neue Tunnel in die seit 1998 bestehende Bauvorleistung eingefĂ€delt. Diese wird zurzeit als Kehrgleisanlage fĂŒr die S1-VerstĂ€rker verwendet. Die S6 hingegen wird bis auf weiteres nur bis Potsdamer Platz fahren, da der Kreuzberger Tunnel nur ein vom Berliner Fahrgastverband IGEB gefordertes Projekt ist.
Die stillgelegte Siemensbahn wird voraussichtlich 2029 wieder mit der S-Bahn befahren werden. Bis zum Potsdamer Platz ist sowohl fĂŒr die S21 als auch fĂŒr die S6 alles finanziell abgesichert. Der dritte Bauabschnitt der S21 zum SĂŒdring befindet sich in der Konzeptionsphase und hat noch keine eindeutige finanzielle Absicherung. Der dritte Bauabschnitt ist 2,1 Kilometer lang und wĂŒrde in einem Tunnel vom Potsdamer Platz abzweigen und dann am U-Bahnhof Mendelssohn-Bartholdy-Park ans Tageslicht kommen. Von dort verlĂ€uft die Trasse parallel zu U2 mit Haltepunkt am Gleisdreieck. Danach wĂŒrde die U2 unterquert, die Strecke teilt sich auf und das eine TeilstĂŒck fĂ€hrt auf die S2-Gleise zum SĂŒdkreuz. Das andere TeilstĂŒck stöĂt an der Julius-Leber-BrĂŒcke auf die S1. Von dort geht es ĂŒber die reaktivierte Cheruskerkurve zum SĂŒdkreuz.
Bei dem Kreuzberger Tunnel, auch als S6 gehandhabt, handelt es sich wie schon gesagt nur um ein mögliches zu empfehlendes Projekt. Und es gibt noch kein Datum fĂŒr Beginn der Planungen und somit auch keine finanzielle Absicherung. Klar ist, es wĂŒrde ein sehr teures Projekt werden. Eine Umsetzung wird fĂŒr in ca. 50 Jahren erhofft.
Kosten, Nutzen und Auswirkungen
Nachdem nun alle Projekte vorgestellt wurden, gehen wir nun auf die Kosten und den Nutzen der einzelnen Projekte in Bezug auf Klima, Anwohner und Pendler ein. Fangen wir wie immer mit der Stadtautobahn A100 an. Die Kosten fĂŒr den 16. und 17. Bauabschnitt werden auf ĂŒber 1,7 Milliarden Euro beziffert. Damit wĂ€re es die teuerste Autobahn Deutschlands, da jeder Meter etwa 246.000 Euro kostet. Davon verschlingt allein der 4,1 Kilometer lange 17. Bauabschnitt 1,1 Milliarden Euro. In Sachen KlimavertrĂ€glichkeit ist der Bau von Autobahnen nicht so gut, da die Autos eine Menge CO2 in die Luft pusten und das mit dem Bau von Autobahnen nur begĂŒnstigt wird. Mit E-Autos könnte hier aber eine Menge erreicht werden. Trotzdem gehört die BlĂŒtezeit der Autos in die Vergangenheit.
Auch bei den Berlinern kommt das Projekt unterschiedlich an. Die A100 soll den bereits vorhandenen Innenstadtring im Nordosten vervollstĂ€ndigen. UnabhĂ€ngig von der StraĂenform wird der innerstĂ€dtische Verkehr in Berlin weiterhin stattfinden, da die Stadt groĂ ist. Es entsteht kein zusĂ€tzlicher Verkehr, sondern eine BĂŒndelung und Kanalisierung des bestehenden Verkehrs, was zentrale Bereiche entlastet, jedoch die entlang der Strecken liegenden Wohnviertel durch LĂ€rm und Emissionen stĂ€rker belastet. Der Ausbau der A100 wird als wirtschaftlich, verkehrsplanerisch, sozial und ökologisch problematisch kritisiert. Die Erfahrungen an der ElsenbrĂŒcke zeigen, dass der Autobahnverkehr bĂŒndelt, jedoch zu Dauerstau fĂŒhrt, RegelverstöĂe fördert und die Verkehrssituation fĂŒr alle verschlechtert. Die A100 wird trotz einzelner Entlastungseffekte kritisch gesehen, da ihre Nachteile und hohen Kosten ĂŒberwiegen und das Geld besser in die allgemeine Infrastruktur investiert wĂ€re. Gleichzeitig wird beobachtet, dass die Autobahn Verkehr von benachbarten innerstĂ€dtischen StraĂen aufnimmt und diese dadurch teilweise entlastet. Die A100 wird als falsches Signal fĂŒr eine klimafreundliche Stadtentwicklung gesehen, da sie das Autofahren fördert, statt eine menschenfreundliche grĂŒnere Stadt mit weniger Autos zu unterstĂŒtzen. Eine Entlastung der Innenstadt wird bezweifelt, da neue und gröĂere StraĂen erfahrungsgemÀà zusĂ€tzlichen Verkehr anziehen und damit eher zu einer stĂ€rkeren Belastung fĂŒhren. Die A100 ergibt wirtschaftlich und ökologisch ĂŒberhaupt keinen Sinn.
Einen groĂen Vorteil bringt die A100 Pendlern und dem Lieferverkehr, da diese nicht mehr durch die Stadt fahren mĂŒssen, sondern mit der Autobahn bis ins Zentrum kommen. So reduziert sich die Fahrzeit und es können mehr Pendler und Lieferfahrzeuge in die Stadt hinein und wieder hinaus kommen. Somit steht der Bau des 17. Bauabschnittes der A100 unter einem geteilten Stern. Zum einen bringt es Pendlern und dem Lieferverkehr viel. Jedoch ist fraglich, ob sich dieses Zeit- und KapazitĂ€tsproblem nicht auch mit dem Ausbau des ĂPNVs beheben lassen wĂŒrde. Dieser ist jedenfalls klimafreundlicher und zukunftssicherer.
Die S21 und die S6 fasse ich in einem zusammen, auch wenn beide Projekte in einem ganz anderen Planungsstadium sind. Zuerst geht es auch hier um die Kosten fĂŒr das Gesamtprojekt. Bei der S21 werden fĂŒr die gesamte Strecke von 7,2 Kilometern Kosten in Höhe von etwa 900 Millionen Euro erwartet. Das ist deutlich weniger als bei der Autobahn. Bei der S6 wĂ€ren die Kosten definitiv höher, da eine Menge neuer Haltestellen gebaut werden wĂŒrde und das Ganze im Tunnel wĂ€re. Im schlimmsten Fall wĂ€re das Projekt mit Stuttgart 21 oder der zweiten Stammstrecke in MĂŒnchen zu vergleichen. FĂŒr das Klima ist der Bau der Gleisanlagen zwar nicht unbedingt positiv, jedoch ist es relativ klimavertrĂ€glich, am Ende eines strombetriebenen Zuges mit mehreren hundert Menschen darin ĂŒber die Strecke fahren zu lassen. Auch hier siegt wieder die Bahnstrecke gegenĂŒber der Autobahn. Ebenso gibt es bisher keine gröĂeren Proteste von Anwohnern, was aber auch daran liegt, dass die Trasse meist unterirdisch verlĂ€uft oder parallel zu Bestandsstrecken der Fernbahn. Auf Pendler, die in der NĂ€he der Bahnstrecke leben, wirkt sich die neue Bahnstrecke positiv auf die Reise zur Arbeit aus. Auch wenn es wahrscheinlich weniger als bei der Autobahn sind, wird sich die S21 bzw. irgendwann mal die S6 groĂer Beliebtheit erfreuen. Das einzige, was so ĂŒberhaupt nicht von neuen S-Bahnstrecken profitiert, ist der Lieferverkehr, da dieser Stand jetzt die S-Bahnstrecken nicht nutzen kann. So siegt hier eher die Autobahn.
Der Bau von Bahnstrecken fĂŒhrt in der Politik oft zu Streit. So ist es auch bei der S21 und wahrscheinlich auch der S6. Die Bahn ist jedoch zukunftssicher und bietet vielen Menschen eine klimafreundliche Alternative zum Auto oder zum Flugzeug.
ErgÀnzung: Vergleich der Projekte
| Projekt | Kosten (ca.) | Klimanutzen | Auswirkungen auf Anwohner | Pendler-Vorteil |
|---|---|---|---|---|
| A100 (16.+17. Abschnitt) | >1,7 Mrd. ⏠| Niedrig (fördert CO2-Emissionen) | Negativ (LÀrm, Abrisse) | Hoch (schnellere Fahrten) |
| S21 (gesamt) | 900 Mio. ⏠| Hoch (strombetrieben, Massentransport) | Gering (unterirdisch) | Hoch (kĂŒrzere Wege) |
| S6 (Kreuzberger Tunnel) | Hoch (vergleichbar mit Stuttgart 21) | Sehr hoch (autofreie Alternative) | Gering (Tunnel) | Mittel (langfristig) |
Fazit: Stadtautobahn vs. Stadtbahn
Nun kommt das Fazit, in dem ich abwĂ€ge, ob es sinnvoller ist, auf die Autobahnen wie in West-Berliner Zeiten zu setzen oder ob die Bahn vielleicht doch die bessere Lösung ist. Wenn man an das Klima denkt, ist die Bahn in jedem Fall die bessere Lösung als neue AutostraĂen. Aber fĂŒr die Bequemlichkeit der Pendler ist die Autobahn ganz klar vorn. Doch da die Jahre des Autos voraussichtlich gezĂ€hlt sind, lohnt es sich aufgrund der hohen Kosten eher nicht mehr neue Autobahnen zu bauen, sondern das Geld in den ĂPNV zu stecken, was weitaus effektiver ist. Somit gewinnt das Duell der Stadtautobahn gegen die Stadtbahn wohl eher die Stadtbahn. Zumindest wenn man auf die BĂŒrger, auf die Kosten und in die Zukunft schaut. Eine Autobahn ist fĂŒr die Verkehrswende im 21. Jahrhundert einfach nicht mehr zeitgemĂ€Ă. Das war die Stadtautobahn vs. Stadtbahn Dokumentation. Ich bedanke mich bei allen, die mir bei meinen Fragen zur Autobahn geholfen haben.
Artikel zu Àhnlichen Themen:
- SPD-Verkehrspolitiker Tino Schopf: âDer 16. Bauabschnitt der A100 nach Treptow muss dicht gemacht werdenâ
- Informationsveranstaltung zur A100 am 28.4.2025 â Fragen und Kritikpunkte
- đ„ Milliardengrab A100: Kosten explodieren â und ein Ende ist nicht in Sicht
- Umbau der ElsenbrĂŒcke: Stau trotz Verdoppelung der Autospuren â Umwege fĂŒr FuĂgĂ€nger
- Wohnen statt A100-Ausbau: Mieterinitiative gegen Hausabriss in der BeermannstraĂe 16 und 18 in Berlin-Treptow gegrĂŒndet
- ElsenbrĂŒcke: Radspur opfern fĂŒr mehr Autospuren â die falsche Antwort auf den durch die A100 verursachten Stau

SUPER! Solche Menschen braucht das Land – und die Erde!
Unglaublich gut und grĂŒndlich recherchiert und prĂ€sentiert: vielen Dank đ Politisch Verantwortliche: hört auf solche entschiedenen BeitrĂ€ge junger Menschen !!