Meine traumhaften Begegnungen mit Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel

In letzter Zeit habe ich häufig Probleme nachts durchzuschlafen. Na gut – einige Leser werden hier wohl einwenden, ich solle doch bitte schön meine Probleme für mich behalten und falls dennoch in mir der unwiderstehliche Drang zu verspüren wäre, diese mitzuteilen, es hierfür viel geeignetere Foren gäbe.

Meine Durchschlafprobleme entstehen aber dadurch, dass ich immer wieder träume, ein Interview mit dem Stadtentwicklungssenator über die A100 zu führen und dann jedes mal, bevor ich mich bei ihm für das Gespräch bedanken kann, schweißgebadet aufwache. Das letzte Interview verlief wie folgt:

Moderator (Ich):
Guten Tag Herr Geisel

Herr Geisel:
Guten Tag

Moderator:
Es soll ja Stimmen geben, die behaupten, der Senat mache widersprüchliche Angaben zum Weiterbau der A100. Sie als verantwortlicher Senator für Stadtentwicklung, was sagen sie dazu?

Herr Geisel:
Ach Quatsch. Wie kommen sie denn darauf?

Moderator:
Na, auf der aktuellen Web-Seite ihrer Senatsverwaltung steht, dass am Ende des derzeitigen Bauabschnitts, also an der Elsenbrücke, definitiv kein Verkehrsproblem entstehen wird.1) Sie selber aber sagten Ende letzten Jahres in einem Interview, ähm – wir werden dort ein Verkehrsproblem bekommen.2)

Außerdem findet man auf der Web-Seite die Aussage, dass keineswegs vorgesehen ist, mit der A100-Verlängerung einen Lückenschluss bis nach Pankow vorzunehmen.3) Sie äußerten sich jedoch in dem genannten Interview dahingehend, dass, äh, der Autobahnring geschlossen werden muss, da wir den Weiterbau bis nach Pankow brauchen.4)

Herr Geisel, wenn sie sich die angeführten Beispiele so anschauen, gibt es da nicht doch einige, sagen wir mal, nicht ganz deckungsgleiche Aussagen innerhalb der Senatsverwaltung?

Herr Geisel:
Ach was, das ist doch völlig an den Haaren herbeigezogen – ich bitte sie. Bleiben wir mal meinetwegen bei ihren läppischen Beispielen:

Die Aussagen ,,Kein Verkehrsproblem an der Elsenbrücke“ und ,,Kein Weiterbau bis nach Pankow“ sind natürlich im Zusammenhang mit der Begründung für den derzeitigen Bauabschnitt zu sehen. Dieser Bauabschnitt bis zur Elsenbrücke hätte ja zum Beispiel bei einem prognostizierten Verkehrsproblem an seinem Ende gar nicht gebaut werden dürfen – stellen sie sich das mal vor.

Na – und die Aussagen ,,Verkehrsproblem an der Elsenbrücke“ und „Weiterbau bis nach Pankow“ stehen dagegen selbstverständlich in Verbindung mit der offiziellen Argumentationslinie zu den zukünftigen Bauabschnitten ab der Elsenbrücke – um hier letztendlich die Notwendigkeit der Fortsetzung bis nach Pankow ein für alle mal zu klären.

Moderator:
Aber man kann doch nicht einmal das Eine und dann wieder das genaue Gegenteil behaupten, nur weil man – sagen wir mal – die Elsenbrücke von zwei verschiedenen Seiten aus betrachtet.

Herr Geisel:
Für so naiv habe ich sie gar nicht gehalten. – Bei der ganzen Diskussion dürfen wir natürlich nicht dem Fehler verfallen, den Wahrheitsbegriff allzu starr anzuwenden – das hat sich bei solch einem Großprojekt noch nie bewährt. Da können sie meinen Erfahrungen vollstens vertrauen. Führen wir uns doch bitte schön schlussendlich vor Augen: Die Wahrheit über die A100 ist immer im Wandel ihrer Bauabschnitte zu betrachten.

Moderator:
Ja und an diesem Punkt bin ich dann schweißgebadet aufgewacht.

F. St.

Quellen zum Realitätsbezug meines Traums:

1) http://www.stadtentwicklung.berlin.de/verkehr/politik_planung/strassen_kfz/a100/de/diskussion.shtml (Ausführungen zur 5. Behauptung, abgerufen am 12.6.2014)

Die verkehrlichen Auswirkungen des vorläufigen Autobahnendes des 16. BA an der Anschlussstelle Am Treptower Park sind umfassend untersucht worden. Ergebnis ist, dass die prognostizierten Verkehrsmengen in einer Größenordnung von weniger als 10 % gegenüber dem heutigen Zustand zunehmen und ohne Mega-Stau bewältigt werden können. Sehr starker Verkehr in Spitzenstunden wird am Autobahnende dosiert. Die maßgeblichen Kreuzungen werden umgebaut. Mit einer koordinierten Verkehrsorganisation (Grüne Welle) wird der Verkehr flüssig bis zur Stralauer Allee und zum Markgrafendamm geleitet.

Zur besseren Verkehrsabwicklung ist die Einbeziehung der benachbarten Straßenkreuzungen Elsenstraße / Puschkinallee und Elsenbrücke / Markgrafendamm / Stralauer Allee in ein Gesamtkoordinierungssystem vorgesehen.

2) http://www.morgenpost.de/berlin/article134611316/Warum-Bausenator-Geisel-den-Autobahnring-schliessen-will.html (letzter Absatz, abgerufen am 12.6.2014)

Andreas Geisel: Ja. Der Autobahnring muss geschlossen werden. Am Ende des 16. Bauabschnitts, an der Elsenbrücke, werden wir ein Verkehrsproblem bekommen. Wir können den Stau natürlich nicht immer ein Stück weiter an das Ende der Autobahn verschieben, deswegen brauchen wir den Weiterbau bis zum Pankower Autobahn-Zubringer. Das halte ich für vernünftig.

3) http://www.stadtentwicklung.berlin.de/verkehr/politik_planung/strassen_kfz/a100/de/diskussion.shtml (Ausführungen zur 9. Behauptung, abgerufen am 12.6.2014)

Es ist keineswegs vorgesehen, mit der BAB A 100-Verlängerung einen Lückenschluss bis zum Stadtring Nord zu erzielen. Wie im Flächennutzungsplan seit Anfang der 90er Jahre dargestellt und im StEP Verkehr im Jahr 2003 bestätigt, soll die Stadtautobahn an der Frankfurter Allee enden. Für eine vernünftige Gestaltung der Kreuzung mit der Frankfurter Allee gibt es verschiedene Möglichkeiten, die im Einzelnen noch durchzuarbeiten sind.

Für die Weiterführung des Verkehrs ist es sinnvoll, wie ebenfalls im Flächennutzungsplan dargestellt, eine neue Stadtstraße entlang der S-Bahn bis zur Storkower Straße zu bauen, um die Möllendorffstraße nicht zusätzlich zu belasten.

Ein weiterer Ausbau anschließender Ringstraßen oder Kreuzungen an diesen Straßen ist weder vorgesehen, noch erforderlich.

4) siehe 2)

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