Neuer Amphibienbericht schlägt Alarm: Artensterben durch A100 stoppen, neue Biotope schaffen!

Der neue Berliner Amphibienbericht zeigt einen dramatischen Rückgang großer Amphibienvorkommen. Für den 16. Bauabschnitt der A100 wurden Kleingärten, Teiche und wertvolle Lebensräume zerstört. Beim geplanten Weiterbau nach Lichtenberg drohen weitere Eingriffe. Dabei könnten gerade die heute für die Autobahn freigehaltenen Flächen neue Lebensräume für Frösche, Kröten und Molche bieten.

Wer damals durch die für den Bau der A100 von Neukölln nach Treptow bereits gekündigten Neuköllner Kleingärten ging, vergisst diese Bilder nicht: In den fast ausgetrockneten Gartenteichen zwischen bereits ausgeräumten Parzellen sammelten sich zahlreiche Teichmolche – verzweifelt auf der Suche nach Wasser und Schutz. Wir haben damals versucht zu retten, was zu retten war. Doch wo einst Leben blühte, das Quaken der Frösche zu hören war und Kinder staunend Molche beobachteten, walzten wenig später die Bagger alles nieder.

Der am 8. Oktober 2026 erschienene Amphibienbericht der Stiftung Naturschutz Berlin belegt nun schwarz auf weiß, was wir damals mit Schmerz mitansehen mussten: Die Bestände von Amphibien in der Hauptstadt sind um fast drei Viertel eingebrochen.

Die Bittere Bilanz des 16. Bauabschnitts der A100 (Neukölln bis Treptow)

Der Bericht hebt hervor, wie überlebenswichtig gerade Kleingartenanlagen (KGA) trotz ihres geringen Flächenanteils (ca. 3 %) als Vernetzungsstrukturen, Sommerlebensräume und Winterquartiere sind: Knappe 16 % aller Amphibiennachweise in Berlin stammen aus oder direkt an KGA.

Beim Bau des 16. Bauabschnitts der A100 von Neukölln nach Treptow wurden genau diese Oasen rücksichtslos geopfert:

  • 314 Parzellen in Neukölln auf 12,5 Hektar Fläche wurden abgerissen.
  • 8,8 Hektar wertvoller Naturboden wurden dauerhaft unter Beton und Asphalt versiegelt.
  • 447 große Einzelbäume sowie unzählige Obstgehölze und Hecken wurden gerodet.
  • 32 weitere Kleingärten fielen in Treptow dem Bau der A100 zum Opfer.

Mit der Zerstörung dieser Gärten gingen unzählige kleine Biotope verloren – darunter grabfähige Böden für die seltene Knoblauchkröte, die vertrauten Laichgewässer und zahlreiche weitere Rückzugsorte. Der 16. Bauabschnitt der A100 steht als trauriges Mahnmal dafür, wie die Berliner Verkehrspolitik der Natur systematisch den Lebensraum raubt.

17. Bauabschnitt stoppen: Drohende Zerstörung in Lichtenberg verhindern

Diesen Fehler dürfen wir nicht wiederholen. Der geplante 17. Bauabschnitt der A100 von Treptow weiter nach Lichtenberg zur Storkower Straße droht, die verbliebenen schützenswerten Korridore vollends zu vernichten.

Im Bereich zwischen der Scheffelstraße, den Ringbahngleisen und dem Stadtpark Lichtenberg sowie entlang der Grünfläche zwischen der Wilhelm-Guddorf-Straße und dem Bahndamm gibt es noch wertvolle Rückzugsräume für die Stadtnatur. Die bewachsenen Bahndämme und Grünflächen könnten Amphibien wie Erdkröten, Molchen und Fröschen Schutz, Winterquartiere und Wanderwege bieten. Der Weiterbau der A100 droht, diese Grünräume zu zerstören und ihre Verbindungen zu unterbrechen. Was der Stadtnatur hier noch geblieben ist, müssen wir schützen!

Hoffnung schaffen: Vorhalteflächen in grüne Oasen verwandeln

Ein endgültiger Baustopp der A100 bringt nicht nur den Menschen in unserer Stadt wertvolle Erholungsräume und saubere Luft zurück, sondern ist auch eine Herzensangelegenheit für den Artenschutz. Wenn wir die Bagger stoppen, können frei werdende A100-Vorhalteflächen gezielt zu neuen, blühenden Lebensräumen aufgewertet werden.

Potenziale dafür liegen auf der geplanten A100-Trasse:

  1. Vorhaltefläche am Ostkreuz (Markgrafendamm / Südkurve S9): Diese knapp 1 Hektar große Fläche bietet Platz für einen neuen städtischen Amphibienlebensraum. Mit fischfreien Kleinbiotopen, Totholzriegeln und feuchten Schutzzonen könnte hier wieder Leben einziehen.
  2. Ehemaliger Güterbahnhof Lichtenberg: Die Brachflächen des ehemaligen Güterbahnhofs grenzen direkt an den Stadtpark Lichtenberg (der bereits ein Gewässer beherbergt) und an die naturnahen Bereiche rund um die Villa Kuriosum an der Scheffelstraße. Durch einen Biotopverbund an dieser Stelle entstünde ein geschützter Park- und Naturraum, in dem sich Amphibien wieder dauerhaft ausbreiten können.

Klare Forderung an die laufenden Sondierungsgespräche

Aktuell verhandeln SPD, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen in Berlin über eine neue Landesregierung. Alle drei Parteien haben vor der Wahl versprochen, sich gegen den Weiterbau der A100 einzusetzen.

Wir fordern die Verhandlungsteams auf, dieses Versprechen einzulösen:

  • Der endgültige Ausstieg aus dem 17. Bauabschnitt der A100 muss im Koalitionsvertrag verankert werden.
  • Die Trassen- und Vorhalteflächen müssen dauerhaft gesichert und als grüne Biotopverbunde hergerichtet werden.

Wir haben 2011 gesehen, wie wertvoll jedes einzelne Tierleben in den Neuköllner Kleingärten war. Sorgen wir dafür, dass wir in Zukunft keine Molche mehr aus austrocknenden Kleingarten-Tümpeln retten müssen, sondern ihnen wieder einen Ort geben, an dem sie dauerhaft leben können!