Abgeordnetenhauswahl in Berlin 2026: Parteien zur A100 – Wahlversprechen und Realität im Faktencheck

Am 20. September 2026 wählt Berlin ein neues Abgeordnetenhaus. Die Verlängerung der Stadtautobahn A100 bleibt eines der umstrittensten Infrastrukturprojekte der Hauptstadt. Wir haben die offiziellen Antworten der 17 kandidierenden Parteien aus dem Wahl-O-Mat ausgewertet und mit der politischen Realität im Parlament verglichen. Das Ergebnis: Die Fronten sind verhärtet, das Lager der Unentschiedenen hat sich aufgelöst – doch zwischen Wahlversprechen und Abstimmungsverhalten klafft mitunter eine erhebliche Lücke.

Die Ausgangslage: These im Wahl-O-Mat 2026

Zur Abgeordnetenhauswahl am 20.9.2026 wurden alle 17 mit Landes- oder Bezirkslisten zugelassenen Parteien vom Wahl-O-Mat zur folgenden These befragt:

„Die Autobahn A100 soll wie geplant weiter gebaut werden.“

Im Vergleich zur Wahl 2021 zeigt sich eine klare Verschiebung: Während vor fünf Jahren noch 33 Parteien antraten und Kompromissmodelle wie Volksentscheide im Gespräch waren, gibt es 2026 nur noch ein klares Ja oder Nein.

Die Parteien im Überblick

Alle 17 Parteien, die zur Abgeordnetenhaus-Wahl in Berlin am 20.9.2026 antreten

🟢 Diese Parteien stimmen GEGEN den Weiterbau der Stadtautobahn A100 (12 Parteien)

Die parlamentarische Linke sowie Umwelt- und Kleinstparteien lehnen den 17. Bauabschnitt geschlossen ab. Hauptargumente sind die Kostenexplosion, Lärm- und Umweltbelastungen sowie der Schutz von Wohnquartieren und Kulturstätten.

  • SPD: „Statt die A100 weiterzubauen, setzen wir auf den Erhalt unserer Straßen und Brücken sowie auf den Ausbau des ÖPNV. Die Autobahn endet für uns dauerhaft am Treptower Park. Wir entwickeln dort ein Verkehrskonzept für die angrenzenden Kieze.“
  • GRÜNE: „Wir lehnen den Weiterbau der A100 ab, da der 17. Bauabschnitt zusätzliche Belastungen durch Lärm, Stau und Luftverschmutzung für angrenzende Kieze in Lichtenberg, Pankow und Friedrichshain verursachen würde und auch kulturelle Orte gefährdet. Stattdessen setzen wir auf den Schutz von Wohngebieten vor Durchgangsverkehr und den konsequenten Ausbau von Bus und Bahn. Generell sprechen wir uns für eine Reduzierung und den Rückbau innerstädtischer Autobahnstrukturen aus.“
  • Die Linke: „Mit dem Weiterbau würde eine Schneise durch dicht besiedelte Gebiete geschlagen, sie löst keine Verkehrsprobleme, sondern schafft an den Anschlussstellen neue. Die enormen Kosten wären eine Verschwendung von Steuergeldern, auch angesichts knapper Kassen. Daher lehnen wir den Weiterbau aus städtebaulichen, verkehrspolitischen und klimapolitischen Gründen sowie wegen der enormen Kosten ab.“
  • Tierschutzpartei: „Berlin braucht keine neuen Autobahnen, sondern eine Verkehrswende. Der Weiterbau der A100 erhöht die Verkehrsbelastung in der Stadt, statt sie zu senken, und beruht auf veralteten Verkehrsprognosen. […] Wir stoppen deshalb den Ausbau der A100 und der Tangentialverbindung Ost im Berliner Südosten und investieren stattdessen in die Verkehrswende.“
  • Volt: „Volt lehnt den Weiterbau der A100 ab. Statt Milliarden in neue Stadtautobahnen zu investieren, setzen wir auf Bahn, Bus, Rad- und Fußverkehr. Den bestehenden Endpunkt wollen wir so umbauen, dass Anwohner*innen entlastet und Verkehrschaos reduziert werden. […]“
  • Die PARTEI: „Die vollkommen wahnsinnige und widersprüchliche Verkehrspolitik in Berlin wird beruhigt. Der Ausbau der A100 wird gestoppt und die bestehenden Teilstrecken in ein Multiplex-Autokino umgewandelt. […]“
  • Weitere Parteien mit Nein-Stimme: Die Urbane., DKP, ÖDP, B*, SGP (ohne Begründung), PdF.

🔴 Diese Parteien stimmen FÜR den Weiterbau der A100 (5 Parteien)

Die Befürworter argumentieren vor allem mit der Entlastung von Wohngebieten vom Durchgangsverkehr, einer besseren Anbindung des Berliner Ostens und Nordens sowie der Vollendung des innerstädtischen Autobahnrings.

  • CDU: „Wir unterstützen den Weiterbau der A 100 ausdrücklich und stehen hinter den Planungen des Bundes für den 17. Bauabschnitt. Die Verlängerung der Stadtautobahn bis zur Frankfurter Allee wird Wohngebiete vom Durchgangsverkehr entlasten, die Anbindung der Stadtteile im Berliner Osten verbessern und die Leistungsfähigkeit der Gesamtstadt stärken.“
  • AfD: „Die Schaffung eines inneren Autobahnrings in Berlin ist die effektivste Möglichkeit, um den Verkehr aus den Wohngebieten herauszuhalten. Deshalb bedarf es nicht nur des Weiterbaus des 17. Bauabschnitts der A100, sondern letztendlich auch der weiteren Bauabschnitte zur Schaffung eines kompletten Rings. […]“
  • FDP: „Der Weiterbau der A100 schließt eine wichtige Lücke im Berliner Straßennetz und entlastet Wohngebiete vom Durchgangsverkehr. Gerade der Berliner Osten braucht eine bessere Anbindung. Moderne Schnellstraßen sorgen für flüssigeren Verkehr, stärken den Wirtschaftsstandort und verkürzen Fahrzeiten. […]“
  • BSW (Bündnis Sahra Wagenknecht): „Der Berliner Norden braucht eine verlässliche Anbindung an die A 100, auch um die Haupt- und Nebenstraßen in den nördlichen und östlichen Bezirken zu entlasten.“
  • HEIMAT: „Die Vollendung der A 100 wird die drängende Verkehrslage Berlins entlasten. Der Bau ist eine verkehrs- und umweltpolitische Notwendigkeit.“

🔍 Faktencheck: Wahlversprechen vs. politische Realität

Wer den Parteien vor der Wahl zuhört, erlebt klare Bekenntnisse. Ein Blick auf die Parlamentsentscheidungen der vergangenen Jahre zeigt jedoch, dass politische Zwänge und historische Beschlüsse das Bild maßgeblich relativieren:

  • Der Schwenk von SPD und Linkspartei: Sowohl die SPD als auch Die Linke treten 2026 als entschiedene Ausbau-Gegner auf. Dass der umstrittene 16. Bauabschnitt (Neukölln–Treptow) überhaupt gebaut wurde, geht jedoch maßgeblich auf Entscheidungen beider Parteien zurück: 2006 stimmten SPD und Linke im rot-roten Koalitionsvertrag gemeinsam für den Bau. Während Die Linke ihren Kurs bereits in den Folgejahren korrigierte, vollzog die SPD den Wandel schrittweise – von der Forderung nach Bürgerbeteiligung (2021) bis zum heutigen klaren Bekenntnis für ein „dauerhaftes Ende am Treptower Park“ (2026).
  • Das Taktieren der Grünen im Bundestag: Im Wahl-O-Mat zur Landeswahl fordern die Berliner Grünen ein klares Aus und sogar den Rückbau bestehender Autobahnen. Das parlamentarische Handeln auf Bundesebene wich davon jedoch ab: Als Die Linke im Mai 2022 im Bundestag beantragte, den Weiterbau der A100 über den 16. Bauabschnitt hinaus zu beenden und die Planungen für den 17. Bauabschnitt sofort zu stoppen, blieben die Grünen im Bund eine Konsequenz schuldig. Im Verkehrsausschuss am 29. März 2023 stimmten die Bundestags-Grünen gegen den Antrag der Linken – aus Koalitionstaktik innerhalb der damaligen Bundes-Ampel.
  • CDU, FDP und AfD ohne Abstimmungswechsel: Diese Parteien zeigen zwischen Wahlprogramm und Parlamentsalltag die größte Durchgängigkeit: Sie stimmten sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene konsequent für die Bereitstellung von Mitteln und den Ausbau der Berliner Stadtautobahn A100.

Fazit zur Wahl 2026

Wer morgen seine Stimme abgibt, hat beim Thema A100 eine richtungsweisende Wahl: Während CDU, AfD, FDP und BSW das Infrastrukturprojekt vollenden wollen, versprechen SPD, Grüne und Linke den endgültigen Stopp am Treptower Park. Entscheidend für die Umsetzung wird jedoch nicht nur das Wahlergebnis im Abgeordnetenhaus sein, sondern vor allem, wie standhaft die Berliner Parteien ihre Positionen gegenüber den Ausbauplänen des Bundes durchsetzen können.

Abgeordnetenhaus-Wahlen am 26.9.2021 in Berlin: Positionen der Parteien zur A100:

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33 von 34 Parteien, die mit einer Landes- oder Bezirksliste am 26. September 2021 zur Wahl in Berlin antreten, haben für den Wahl-O-Mat beantwortet, wie sie zum Ausbau der Stadtautobahn A100 in Berlin stehen. Hier die Antworten der Parteien und deren Begründungen. (die Reihenfolge wie im Wahl-O-Mat)

These: Die Autobahn A100 soll wie geplant weiter gebaut werden. Abgeordnetenhaus-Wahlen am 26.9.2021 in Berlin: Positionen der Parteien zur A100: weiterlesen

Abgeordnetenhauswahl am 18.9.2016: Stadtautobahn A100 abwählen! So gehts

Abgeordnetenhauswahl in Berlin am 18.9.2016 Stadtautobahn A100 abwählen! So gehts:Grüne
⇒ wollen den 17. Bauabschnitt der Stadtautobahn A100 von Treptow nach Lichtenberg verhindern

Linke
⇒ wollen den 17. Bauabschnitt der Stadtautobahn A100 von Treptow nach Lichtenberg verhindern

Piraten
⇒ wollen den Bau des 16. Bauabschnitts von Neukölln nach Treptow stoppen
⇒ wollen den 17. Bauabschnitt der Stadtautobahn A100 von Treptow nach Lichtenberg verhindern
⇒ wollen die bestehende Stadtautobahn in Berlin zurückbauen

Die Positionen von Bündnis90/Die Grünen, der Linkspartei und der Piratenpartei zur Autobahn A100 basieren auf Aussagen der Parteien, die sie dem Wahl-O-Mat gegeben haben. Es gibt grüne und linke Politikerinnen und Politiker, die auch den Bau des 16. Bauabschnitts der Berliner Stadtautobahn stoppen möchten und auch in der SPD gibt es zahlreiche Kandidierende für das Abgeordnetenhaus, die gegen die Verlängerung der A100 sind und sich damit gegen die Position der Landes-SPD wenden. Siehe auch die Aussagen bei unserer Pressekonferenz am 1.9.2016: Gemeinsam gegen den Ausbau der A100.

Die Positionen aller 21 Parteien zur A100, die zur Abgeordnetenhaus-Wahl am 18.9.2016in Berlin antreten

Abgeordentenhaus-Wahl 2016 in Berlin: So stehen die Parteien zum Weiterbau der A100

21 Parteien treten zur Abgeordnetenhaus-Wahl in Berlin am 18. September an. Auf die These 34 des Wahl-O-Mat „Die Autobahn A100 soll bis zur Frankfurter Allee verlängert werden“ stimmen 12 Parteien gegen den Ausbau der Stadtautobahn, 2 Parteien antworten mit“neutral“ und 7 Parteien sind für die Verlängerung der A100.

Von den derzeit im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien wenden sich „Bündnis 90/Die Grünen“ und „Die Linke“ gegen den 17. Bauabschnitt vom Treptower Park bis zur Frankfurter Allee und Storkower Straße. Die Piratenpartei lehnt auch den 16. Bauabschnitt von Neukölln nach Treptow ab und fordert sogar den Rückbau der zuvor fertig gestellten Abschnitte der A 100.

Hier die Positionen und Begründungen aller 21 zur Berliner Abgeordnetenhaus-Wahl zugelassenen Parteien zur geplanten Verlängerung der Stadtautobahn A100: Abgeordentenhaus-Wahl 2016 in Berlin: So stehen die Parteien zum Weiterbau der A100 weiterlesen

Volksabstimmung über A100? Ja, bitte! Baubeginn 2011 am Ostkreuz? Nein, danke!

Die CDU will die Berliner am 18. September 2011 parallel mit der Abgeordnetenhauswahl über den umstrittenen Weiterbau der Autobahn A 100 entscheiden lassen.

Kommende Woche wird die Unionsfraktion im Abgeordnetenhaus einen entsprechenden Antrag über eine Volksabstimmung einbringen.
Siehe Die Welt, Tagesspiegel und rbb-Nachrichten

Aus diesem Anlass unsere Pressemitteilung:
Volksabstimmung über die A100? Ja, bitte! Baubeginn 2011 unter dem Ostkreuz? Nein, danke! (pdf)